Globale Inhaltsspeicherung mit Echtzeitbenachrichtigung: PRISM und Tempora gingen wohl Hand in Hand

Schon seit 2007 lauf das Spähprogramm PRISM der NSA. E-Mails, Privatnachrichten, Chats und Fotos werden seitdem global abgefangen. Die NSA soll dabei Zugriff auf die Server von IT-Giganten wie Yahoo, Microsoft (Skype), Apple, Google und Facebook haben. 

PRISM kann somit Echtzeitbenachrichtigungen darüber bieten, wenn sich Bürger in ihren Chat- oder E-Mail-Account einloggen. "Wir vermuten zudem, dass PRISM und Tempora Hand in Hand gehen: PRISM dient als Detail-Lieferant und Tempora als "Schleppnetz", aus dem beliebige Daten über Bürger und ihre Kontakte gefischt werden können", erklärt Christian Heutger vom Internet Security-Spezialisten PSW GROUP. 

Das gigantische Ausmaß der Überwachung ermöglicht das Ausspionieren von Behörden, Unternehmen, Politikern und Pressevertretern, aber auch Privatpersonen. "Die NSA kann praktisch auf alles, was sich im Internet tut, ein Auge werfen. Dass sich Unternehmen um die Sicherheit ihrer Daten sorgen, ist nur allzu verständlich", so der Sicherheitsexperte. Denn selbst vor befreundeten Ländern machen die US-Geheimdienste keinen Halt. Unter anderem mithilfe von Wanzen soll die NSA Gebäude der EU gezielt abgehört haben. Daneben wurde das interne Computernetzwerk infiltriert: Sowohl persönliche Besprechungen als auch Inhalte aus E-Mails und Dokumenten, die auf den Rechnern gespeichert sind, wurden ausgeforscht.

Und die Liste der ausgespähten, befreundeten Nationen ist noch länger: Die Botschaften von Griechenland, Italien und Frankreich in Washington sollen angezapft worden sein, außerdem Vertretungen der Vereinten Nationen (UN). 38 Überwachungsziele gehen aus den geleakten Dokumenten hervor; darunter auch die Türkei, Südkorea, Indien, Japan oder Mexiko. "Diese Enthüllungen sorgten dafür, dass EU-Politiker endlich eine Reaktion zeigten", stellt Christian Heutger fest. Mittlerweile wurden die Büros der EU-Kommission auf Wanzen untersucht. EU-Kommissarin Viviane Reding stellte zudem das Freihandelsabkommen mit Amerika infrage.

Im EU-Parlament in Straßburg ringt man unterdessen über Resolutionen gegen das Ausspionieren durch die Geheimdienste. Auch in Deutschland werden die Debatten hitziger geführt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat inzwischen sogar eingeräumt, dass Bürger in diesem Zusammenhang eher nicht auf den Staat setzen, sondern stattdessen ihre Kommunikation selbst verschlüsseln sollten. Dem kann der Geschäftsführer der PSW GROUP nur beipflichten: "Mittlerweile gibt es zahlreiche, wirksame Verschlüsselungslösungen, die dank ihrer einfachen Handhabung auch von Laien verwendet werden können. Man braucht also kein Experte sein, um sich vor Spionage zu schützen", so Christian Heutger.

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